verkopft gedanken ideen und erinnerungen

Bittere Pille

Früher war die Welt, meine Welt noch so einfach. So bequem. Will ich diese Welt aber wieder haben? Nein! Ich bin fleischlos glücklich. Auch wenn das bedeutet, hin und wieder eine bittere Pille schlucken müssen.

Manchmal fühle ich mich zwar wie Neo im Film Matrix. Er hatte die Wahl zwischen einer blauen und einer roten Pille. Die rote Pille sorgte dafür, dass er aus der Computersimulation erwacht und entdeckt, dass seine Welt nur eine Lüge ist. Die blaue Pille hätte ihn weiter im Glauben gelassen, dass mit seiner Welt alles in Ordnung ist.

Das ist Deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Nimm die blaue Pille – die Geschichte endet, Du wachst in Deinem Bett auf und glaubst, was Du auch immer glauben willst. Nimm die rote Pille – Du bleibst hier im Wunderland, und ich werde dir zeigen, wie tief das Kaninchenloch reicht.

Machen wir uns nichts vor. Ich bin nicht auserwählt. Ich bin genauso verwesende Biomasse wie alles andere auch. Nichtsdestotrotz bin ich natürlich imstande, Entscheidungen zu treffen.

Erdlinge

Will man nicht einmal hinter den Spiegel schauen, um zu entdecken, was sich dort verbirgt? Ist also alles in Ordnung, ist der Umgang mit der Natur und den Tieren okay? Ich glaube nicht. Es hat zwar über 30 Jahre gebraucht, bis ich mal richtig hingesehen habe, aber was ich erblickte, hat mir nicht gefallen. Was die Maschinen in Matrix mit Menschen machen, ist insofern schon Realität, als dass wir genauso mit anderen Erdlingen verfahren. Fakt ist: Der Mensch beutet die Tiere aus. Mit dem klitzekleinen Unterschied, dass er den Kühen und Schweinen bis zum Ableben nicht die Illusion einer perfekten Welt aufrecht erhält.

Jetzt habe ich zwar verstanden, wie der Hase läuft, an das Einkaufen hat man sich gewöhnt und dass man nicht mehr alles in der Imbissbude oder beim Fast-Food-Restaurant essen kann, ist auch okay. Meistens. Manchmal nervt es aber, wenn man mal wieder Hunger hat und keine Alternative weit und breit zu sehen ist oder sich beim Einkauf wieder irgendwo völlig unnötigerweise Molkereiprodukte in den Zutatenlisten verstecken oder die „Gemüsepfanne“ Schweineschmalz enthält (kannste Dir nicht ausdenken).

60.000.000.000

Ein Zurück gibt es für mich trotzdem nicht. Wenn der Schalter einmal umgelegt ist, dass es nicht in Ordnung ist, wie wir mit unserer Welt verfahren, kann man keine Ausnahmen machen. Nicht an Weihnachten. Nicht an einem Cheatday. Im Grunde nervt es auch nicht, sondern es macht mich eher wütend.

Bei realistischer Betrachtungsweise ändert mein Verzicht auf tierische Produkte natürlich nicht die Welt. Die Sache ist halt nur die, dass die großen Konzerne alle unser Bestes wollen – unser Geld. Als Konsumenten haben wir schon eine gewisse Macht. Was ich ändern kann, ist immerhin meine Welt. Und dass ich mit meinem Geld nicht direkt für kranke, ausgebeutete, tote Tiere sorge. Unmittelbarer stillschweigender, zahlender Kunde einer Industrie zu sein, die weltweit über 60 Milliarden, in Zahlen: 60.000.000.000 Tiere schlachtet. Bei gut 7 Milliarden Menschen ergibt das durchschnittlich 8,57 tote Tiere pro Kopf. Dass Abermillionen Menschen keinen Zugriff auf Fleisch haben (oder essen wollen), sei mal dahingestellt. Hinzukommen all die Hühner, Kühe sowie weitere Milch- und Eiproduzenten, die zumeist kein besseres Leben haben als das Schlachtvieh.

Ich habe einfach keinen Bock mehr darauf. Es ist schwer, alles richtig zu machen, aber es ist immerhin ein Anfang, nicht alles falsch zu machen.


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