Vegan ist scheiße! Verkopft - Toastenstein

Vegan ist scheiße, ich hab’s probiert!

Normalerweise halten wir’s hier recht nett und freundlich, mit ein paar obligatorischen fiesen Streuseln obendrauf. Heute lassen wir aber mal ein bisschen Dampf ab und hauen auf die Kacke! Warum? Nun, nach dem #veganuary und nun auch nach dem #meatfreemay haben wir es satt, unseren Köpfen und Tischkanten bei einem beherzten Stelldichein zuzuschauen.

Okay, worum geht’s hier eigentlich? Es geht um diese kleinen Experimente, die Leute unternehmen, ob das nun der Veganuary oder die “vegane Woche” ist, um mal vorbehaltlos in den Veganismus zu schnüffeln und um veganes Leben und Essen auszuprobieren. Im Prinzip nichts Schlechtes, sogar absolut begrüßenswert, denn auch wir haben irgendwann mal angefangen mit dem Konzept zu liebäugeln und haben es einfach auf einen Versuch ankommen lassen. Der Punkt ist aber ein klitzekleines Wort, das unser persönliches Hassfass ins Rollen bringt: vorbehaltlos!

Wenn man nicht vorbehaltlos sein kann, darf man keine Experimente machen. Das wird einem so ziemlich jeder Wissenschaftler sagen, weil es eben die falsche Basis ist, um ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen. Das ist, als wenn die AfD verspricht, jedem deutschen Bürger unter die Arme zu greifen, damit das Land besser wird, dabei aber jeden Deutschen mit Migrationshintergrund außen vor lässt, weil die ja eh nicht dazu gehören. Es ist selektiv, manipulativ und, wenn ihr uns fragt, grobe Pupskacke!

Nicht falsch verstehen, Kritik ist absolut cool! Jeder soll, kann und muss Dingen gegenüber kritisch sein. Wir haben kein Problem damit, wenn jemand die vegane Suppe probiert und feststellt, dass ihm daran etwas nicht schmeckt, und findet damit das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Unser Problem ist das Ankündigen, dass man die Suppe nicht mag, noch bevor sie auf dem Tisch steht. Und das messerspitzengroße Ausprobieren der Suppe, nur um dann im Brustton der Überzeugung behaupten zu können, man hätte ein ganzes Büschel Haare gefunden! Also, räumen wir mal mit dem Bullshitbingo ein bisschen auf…

“Tofu schmeckt scheiße!”

Natürlich schmeckt das maximal nach nasser Pappe, wenn man es einfach nur in die Pfanne haut und auf’s Beste hofft. Wir finden auch, dass Mehl absolut fies schmeckt, deswegen würden wir aber nie behaupten, dass wir Brot nicht mögen! Tofu ist eine Basis, eine Grundlage, ein rohes Fundament. Niemand schreit “Das Haus sieht aber jämmerlich aus!”, nur weil er ausschließlich den Keller gesehen hat. Komm schon! Denk dir eine coole Marinade aus. Hau mal ordentlich mit den Gewürzen zu. Panier das Tofu mit irgendwas Aufregendem. Aber um Himmels Willen, tu etwas damit!

“Ich mag aber keinen Fleischersatz!”

Herzchen, dann iss ihn nicht. Ganz simpel. Ganz einfach. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Wenn man von vornherein weiß, dass man etwas nicht mag und sich auch wirklich ganz sicher ist, dann soll man’s einfach lassen. (Auch wenn wir dafür plädieren, dass man zumindest mal probiert haben sollte.) Veganismus ist keine asketische Form der Selbstgeißelung, bei der wir alle “Kumbaya” singen, unser Essen blöd finden, aber es runter würgen, weil es ja so gesund ist. Du hast unendlich viele Möglichkeiten Rezepte zu kochen, die ohne Fleischersatz sind. The sky is the limit!

“Man wird davon gar nicht richtig satt!”

Wir haben ungefähr 1,3 Millionen Veganer in Deutschland. Das ist eine ganze Menge. Aber keiner, wir wiederholen KEINER von denen wird satt, wenn er einfach nur an ein paar grünen Salatblättchen herum nagt und dabei auch noch das Dressing vergisst. Wenn das Thema “vegan” für dich neu ist oder du gerade dabei bist, einen kleinen Testlauf hinzulegen und bemerkst, dass du langsam einen allesverzehrenden Hunger entwickelst, dann liegt das in der Regel an genau einer Sache: Du hast nicht genug gegessen! Was wiederum ebenfalls meistens an einer Sache liegt: Du hast bei deinen normalen Mahlzeiten einfach nur alles weggelassen, was tierisch ist, ohne irgendetwas Neues hinzu zu fügen. Lass das Schnitzel nicht einfach nur vom Teller fallen, füll den Platz mit einem Stapel Grünkernbratlingen auf und los geht’s!

“Da kann man ja gar nichts mehr essen!”

Wir haben nicht das Gefühl, als müssten wir als Food Blogger noch irgendetwas dazu sagen, aber bitte: Es gibt zwischen 20.000 und 30.000 essbare Pflanzen auf diesem Planeten. Wenn da noch jemand das Gefühl hat, er hätte keine Auswahl mehr, dann ist er einfach nur zu doof zum Kauen! Prinzipiell ist es aber das gleiche Problem wie im letzten Absatz. Alles Tierische wird aussortiert und was dann übrig bleibt, sieht bei vielen in der Tat nicht nach Schlaraffenland aus. Den Platz kann man aber füllen. Probier neue Sachen aus, was du magst, behältst du. Was du nicht magst, darf wieder gehen. It’s that simple!

“Aber das ist doch die totale Mangelernährung!”

Als erstes werfen wir mal locker und flockig eine Frage in den Raum: Bevor das Thema “vegan” auf dem Tisch lag, hast du dir jemals darüber Gedanken gemacht, ob alle deine Vitamine, Mineralien und weiß-der-Geier-was-nicht-noch-alles abgedeckt sind? Falls ja, sind wir davon überzeugt, dass du weißt, in welchen Nahrungsmitteln welche Stoffe drin sind, von daher sollte die vegane Ernährung für dich auch kein Problem werden. Du weißt ja schon, wie’s geht und wo du was finden kannst. Falls nein, lass’ uns einfach nur in Ruhe mit deinem unreflektierten Geblubber! Wenn du dich bisher nicht um deine Nährwerte gekümmert hast, musst du jetzt nicht plötzlich den Zauberstab schwingen und dich in einen Ernährungsexperten verwandeln. Ein cooler Kartentrick wäre interessanter …

“Ich mag veganes Essen einfach nicht!”

Soso. Obst und Gemüse sind doof? Nudeln, Reis, Linsen, Bohnen und Erbsen sind auch doof? Die meisten Brotsorten und Brötchen sind auch nicht dein Ding? Bulgur, Couscous, Buchweizen und Haferflocken kommen auch nicht gut an? Pommes, Kroketten und Falafel hast du noch nie gegessen? TK-Gemüse lag auch nie in deinem Gefrierschrank, geschweige denn auf deinem Teller? Nicht einmal ein gottverdammtes Mürbeteigplätzchen mit Margarine hast du ausprobiert? Sorry, aber wir lassen uns einfach nicht gern ans Bein pinkeln, nur damit wir uns erzählen lassen können, dass es regnet. Macht euch mit solchen Aussagen nicht mehr lächerlich als ihr müsst…

“Aber unterwegs ist es so schwer was zum Essen zu finden!”

Wenn man ungefähr drei Jahre alt ist und in den Kindergarten kommt, lernt man das erste Mal was? Man packt seine Brotdose ein! Und ja, man kommt sich etwas albern vor, wenn man das erwachsenen Leuten sagt, besonders wenn sie auch noch selber Kinder haben, aber im Sinne der unverbindlichen Lehrveranstaltung hier auch gerne nochmal: Nimm dir was zu essen mit! Wenn das nicht geht, findest du in jedem Supermarkt ein bisschen Obst, Gemüse und veganen Joghurt. Bulgur- und Couscoussalate. Hummus und Aufstrich. Fast jeder Bäcker hat irgendein veganes Brötchen im Angebot. Herrje, wer suchet der findet! Diese lausige Ausrede um weiterhin an die Pommesbude nebenan zu gehen, um an seiner geliebten Currywurst zu knabbern, ist sowas von alt, ausgelutscht und wiedergekäut.

Diese Liste ließe sich noch bis in die Unendlichkeit fortsetzen, denn die blöden Kommentare und Ausreden feiern ein stetiges Kommen und Gehen und sind an Omnipräsenz kaum zu überbieten. Aber an dieser Stelle lassen wir es einfach mal gut sein und hoffen auf das Beste. Solltet ihr zufällig über diesen Beitrag stolpern und denken “Ah, die garstigen, militanten Veganer wieder!”, dann würde ich noch gerne ein paar freundliche Worte verlieren: Unser Blog ist nicht dem erlesenen Kreis von Veganern vorbehalten! Er ist öffentlich, für das ganze weltweite Publikum zugänglich und jeder darf sich an unseren Rezepten ausprobieren. Viele haben es schon gemacht, auch Nicht-Veganer. Und wer Fragen hat oder Tipps und Hilfe braucht, dem helfen wir auch gerne weiter. So garstig und fies sind wir nämlich gar nicht. Wir reagieren nur allergisch auf Bullshit… 😉


8 Kommentare

  • Christian

    2. Juni 2019

    Danke für den Artikel. Für mich als Neuvegetarier sehr interessant da in meinem Umfeld alles ohne Fleisch verurteilt wird. Leider..

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    • Maddin

      4. Juni 2019

      Hallo Christian,

      es freut uns, dass Dir der Artikel gefallen hat.
      Das Nervigste ist teilweise wirklich nicht das vegetarisch-/vegane Ernährung mit all den Stolpersteinen im Supermarkt und Co., sondern die Mitmenschen… Und der mangelnde Support.

      Kopf hoch und sei tapfer, das wird schon! 🙂

      Toastige Grüße,
      Maddin

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  • Eva

    4. Juni 2019

    Oh Klasse! Ich finde euren Post echt wertvoll und noch ziemlich zahm. 😊Ich hatte jetzt tatsächlich zum ersten Mal ein: “Also, ich kann mit dem veganen Kram ja so gar nichts anfangen, ich könnte das nicht essen..” von meinem Gegenüber (Angestellter im Shop vom Pizzadienst, als ich gelobt habe, dass sie jetzt so viele tolle vegane Alternativen haben). Als ich dann sagte, dass ich es sehr schade fände, dass er noch nie einen Apfel hatte, stutzte er, lachte und war plötzlich ganz umgänglich.
    Ich glaube, dass da einfach viel Unsicherheit mitspielt. Sich selbst zu hinterfragen ist halt unangenehm.

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  • Hansjörg

    4. Juni 2019

    Seit ich vegan esse, ist meine brauchbare Fläche des Supermarkts auf die Größe eines Tante Emma Ladens geschrumpft.

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    • Hansjörg

      4. Juni 2019

      So bin ich schnell durch, vorbei an den Fleisch- und Käseprodukten, die alleine die Hälfte des Supermarktes beanspruchen, gezielt zu den Bio-Hülsenfrüchten und Bio-Getreide (seriöse Marken, Bio ist nicht gleich Bio), doch letzthin kaufe ich diese Produkte im Weltladen. Gemüse kaufe ich meist vom befreundeten Gemüsebauer am Bauernmarkt. Es gibt eine riesige Auswahl, und das einfache Essen gibt mir auch den Geschmacksinn zurück.
      Der Umstieg auf vegan war so leicht, Fleisch aß ich schon vorher minimal, ich musste nur den Käse und das Yogurt weglassen. Und da hab ich erst gemerkt, dass diese Produkte mir überhaupt nicht gut taten. Ja, so einfach war es. Möge es so bleiben.
      Danke für Euer Engagent.

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  • Birgit Schumacher

    7. Juni 2019

    Ein riesiges, aus vollem Herzen kommendes DANKEEEEE.

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  • Anonymous

    16. Juli 2019

    Wow, was für ein toll geschriebener Artikel. Ihr sprecht mir aus der Seele. Es ist sooooooooooooooooooooooooooooooo schön und soooooooooooooooooooooooooooo wichtig, dass es euch gibt. Danke!!!

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  • Andrea

    10. August 2019

    Ich bin gerade zufällig auf eurem Blog gelandet und gleich bei diesem Thema. Herrlich, eure Antworten! Und das sage ich als Nicht-Veganer. Dadurch, dass ich extrem auf Histamin reagiere und wirklich NULL Hülsenfrüchte vertrage, kriege ich meinen Eiweßbedarf vegan nicht annähernd gedeckt. 40 bis 60 kg Gemüse am Tag sind dann doch eher unrealistisch. 😉 Trotzdem versuche ich immer wieder vegane Gerichte einzustreuen. Ich bin schon sehr gespannt auf eure Rezepte und gehe dann mal stöbern!

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