Verkopft - Zero-Waste - Toastenstein

Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht

Seit über einem Jahr ernähre ich mich nun vegan. Im Grunde kenne ich es gar nicht mehr anders.
Aber der Bauer, damit sind hier nicht die anderen gemeint, sondern ich selbst.

Die ersten Schritte als Veganer waren auf jeden Fall ungewohnt. Schließlich konnte ich immer essen, was ich wollte. Da liegt wohl auch der Hase im Pfeffer. Ich habe keine Nahrungsmittelunverträglichkeit, keine Allergien, keine Laktose- oder Fruktoseinteloranz, keine Zöliakie. Ich habe stets gegessen, was ich wollte. Was ich kannte und mir geschmeckt hat. Und was einem schmeckt, das isst man auch gut und besonders gerne.

Ja, Salat habe ich zwar auch gegessen. Auf einen guten Döner gehört nun einmal Salat. Das war aber schon das höchste der Gefühle. Salat, Obst und Gemüse als Beilage, von mir aus gelegentlich ein notwendiges Übel. Vitamine und so. Ich bin im Ruhrpott aufgewachsen, mein Leibgericht war Currywurst mit Pommes und Mayonnaise. “Mantaplatte”. Es ging so weit, dass meine fleischessenden Freunde mir mal zum Geburtstag ein tolles vegetarisches Kochbuch geschenkt haben, weil ich mich ihrer Ansicht nach von zu viel Müll ernährt habe.

Ich weiß also, dass Fleisch schmeckt. Ich weiß, dass es höllisch bequem ist, nicht alle Zutatenlisten lesen zu müssen, und ich weiß, dass billiges Essen nicht gleich schlecht schmecken muss.
Fast Food, Junk Food, Convenient Food. Schnell, einfach und lecker. Inhaltsstoffe? Ich habe das Kleingedruckte nie gelesen.

Nur dass wir uns richtig verstehen. Ich bin der Prototyp eines Antiveganers gewesen.

Da man aber immer mehr sieht, über alles berichtet wird, sind natürlich auch die diversen Lebensmittelskandale nicht an mir vorübergegangen. Ja, da war EHEC, was ja mehr oder minder bio und vegan war, aber da war auch der Gammelfleischskandal, die Gefügelpest, die Maul- und Klauenseuche, das Pferdefleisch in der Lasagne. Gerade letzteres hat zu einem kleinen Umdenken geführt. Ob das billige Fleisch nun vom Rind oder vom Pferd kommt, spielt ja kaum eine Rolle, wenn es denn schmeckt.

Im Zuge dessen habe ich gelegentlich mal auf Fleisch verzichtet. In der Mittagspause gab es dann halt Nudeln ohne Hühnchen. Oder Pizza ohne Salami. Hat auch überhaupt nicht weh getan.

Aber vegan? Eine tolle Idee, aber ich könnte das ja nicht…
Was ich heute häufiger höre, habe ich früher selbst von mir gegeben. Die Angst war groß, nichts mehr essen zu können. Außer Gras und Steine und Salat.

Als Eden zum Veganismus konvertiert ist, habe ich natürlich einen anderen Einblick in die ganze Sache bekommen. Was leicht geht, was schwer und was gar nicht. Es ist selbstredend ein großer Vorteil, wenn man einen solchen Einschnitt in die Essgewohnheiten nicht alleine bestreiten muss, es viel mehr noch vorgebetet wird und man dann auch noch lecker bekocht wird oder zusammen kocht.

Ehe ich mich diesem Weg angeschlossen habe, war es relativ steinig. Die ganzen Argumente pro Veganismus habe ich auf rationaler Ebene nachvollziehen können, allerdings überwog die Skepsis. Dann kann ich ja Liebgewonnenes nicht mehr essen und muss mich umgewöhnen. Ich? Ich, das Gewohnheitstier? Was geholfen hat, und nun kommen wir zum Bauern zurück, war eine kleine List. Schnitzel mit Pommes wurden mir eines Tages kredenzt. Die Pommes entpuppten sich als Süßkartoffelpommes, kannte ich bisher noch nicht, fand ich aber lecker. Und auch das Schnitzel war gut, vielleicht ein bisschen trocken, aber absolut in Ordnung. Und hätte man mir nicht gesagt, dass es weder Hühnchen noch Pute, sondern vegan war, wäre ich nicht darauf gekommen.

Ein guter Anstoß zum Nachdenken: Muss ich vielleicht doch nicht auf so viel verzichten!? Alles eine Frage der Erwartungshaltung. Nimmt man eher eine abneigende oder skeptische Haltung ein, ist man entsprechend voreingenommen und bewertet nicht neutral.

Über das Schnitzel, das asiatische Restaurant Veggie Delicious und das Bistro VeGonas (Pizza!) – beides in Bielefeld – habe ich dann in der Anfangs- und Umstellungsphase kennen gelernt, dass in der veganen Küche doch alles möglich ist.

Die ersten Wochen waren ein bisschen anstrengend. Gerade der Einkauf war eine Qual. Wurst, Käse, Fleisch, Eier, Schokolade fanden nicht mehr den Weg in den Einkaufswagen und den “Ersatz” zu finden, war nicht gerade einfach, zumal man dann natürlich jede Zutatenliste lesen muss. Ungewohntes ist einfach unbequem. Aber nach dem einen oder anderen Kauf hat man sich daran gewöhnt. Wie früher kennt man ja dann grob seine Produkte.

Und um ehrlich zu sein, die Umstellung auf vegane Ernährung ist für mich aus kulinarischer Sicht auch mehr als spannend, weil ich eben aus meinem Trott herausgekommen bin. Ich habe viele neue Sachen probiert, die ich früher nicht angerührt hätte. Und ich vermisse nichts.

Ein großer Salatesser bin ich übrigens noch immer nicht. Salat ist und bleibt Beilage für mich.


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