Experiment - Der Laborküche wird zur Versuchsküche

#einewocheplastikfrei – Von Einwegdramen und Mehrwegzauber [Eden]

Ich will die Welt erobern. Sie umkrempeln und ein bisschen besser machen. Will den Ozean retten. Und dafür sorgen, dass unser Ozonloch uns nicht verschlingt. Ich will das Klima und die Natur noch ein Weilchen behalten. Und ich esse mein Frühstück gerade aus einer Plastikschüssel. Das mit dem Zero Waste und Plastikfrei, das muss ich noch üben. Und jetzt hab‘ ich eine Woche Zeit dafür…

Vor nicht ganz einem Jahr hatten wir hier auf Toastenstein eine Zero Waste Woche und haben ganz viele Tipps, Tricks und Produkte für ein Leben mit weniger Müll gezeigt. Wir waren euphorisch, motiviert und ausgestattet mit so viel neuem Werkzeug. Und nun sitze ich hier und komme mir vor wie ein Heuchler, denn ich trage jede Woche einen prall gefüllten Beutel mit Müll zum Container und stöhne augenrollend vor mich hin. Wieder eine Woche, in der das mit Zero Waste überhaupt nicht geklappt hat. Zumindest nicht gefühlt. Und nun kommen Tamara und Sebastian vom Blog Simply Vegan um die Ecke und wollen ganz hardcore eine komplette Woche plastikfrei durchziehen.

Ich fürchte, das hier wird das große Tagebuch des Scheiterns, aber ich bin motiviert. Diese Woche will ich nutzen, um Neues zu testen, denn daran mangelt es hier offenbar. Ich sitze noch in alten Mustern fest und die sind einfach viel zu müllintensiv und das ärgert mich. Und das will ich eigentlich gar nicht, weil das eine echt ungesunde Eigenart ist. Freuen ist so viel cooler. Und ich will diese kostbare Zeit auch ein bisschen in Weiterbildung investieren. Sitze ich vielleicht einigen Plastikmythen auf und ist der Mehrwegtraum wirklich so heil und sauber? Was da für verborgene Schätze auf mich warten, weiß ich noch nicht, aber ich werde sie finden! Wohl an: Eine Woche ohne Plastik und jeden Tag ein kleines Abenteuer!

Montag

Kaum richtig aus dem Bett gestiegen und schon den ersten vermeidbaren Plastikquatsch in der Hand gehabt! Zahnpasta in Plastiktuben. Buuuuh! Ich weiß, es gibt Dentaltabs und Pulver, die man lose oder in Glas verpackt kaufen kann, sogar mit und ohne Fluorid. Ehrlich gesagt, habe ich aber ewig gebraucht, um Zahnpasta zu finden, mit der meine empfindlichen Zähne klar kommen. Ich mag sie nie wieder hergeben und auch keine Experimente wagen. Meh!

Kleiner Hoffnungsschimmer: Ich benutze Zahnbürsten, die kompostierbar sind. Am Waschbecken liegen vegane feste Seifenstücke für Gesicht und Hände. Meine Wattepads sind wasch- und wiederverwendbar und die Deos und Cremes sind alle vegan und in Glas verpackt. Immerhin, oder?

Dienstag

Ich hab‘ heute zwei Grübelmomente gehabt: Zum einen, dass „mal eben“ nicht mehr existiert. Mal eben auf dem Heimweg in den Supermarkt springen und etwas einkaufen, das zuhause fehlt, das funktioniert einfach nicht. Normale Supermärkte sind verführerische Plastikhochburgen, und was Kunststoff angeht, bin ich völlig desensibilisiert!

Die kleinen Gummitierchen, die man sich mal eben in den Mund stecken könnte… Plastiktüte! Die Saftschorle für den schnellen Durst… Einwegflasche! Mein geliebtes TK-Gemüse… Plastikbeutel! Die passierten Tomaten für die Suppe… Tetrapak! Bis ich aus diesem Plastikdelirium wieder wach wurde, stand ich auch schon an der Kasse und hatte den Teufel im Einkaufsbeutel. (Bin aber nochmal umgedreht!) Was mich zur zweiten Überlegung bringt: Wenn ich anstatt der passierten Tomaten im Tetrapak die Pizzatomaten in der Dose kaufe, wie viel Gutes hab‘ ich damit der Umwelt getan? Sind Dosen auf der Schandeskala nicht ganz so weit oben wie Tetrapaks? Ich brauche Antworten!

Mittwoch

Wo muss ich meinen Ablassbrief hinschicken, wenn ich für meine Sünden bezahlen möchte? Ich gestehe, ich habe heute ein Eis am Stil gegessen und es war in einem Plastiktütchen verpackt. Mein persönliches Seelenheil hing an diesem kleinen Eis und die Verbesserung meiner Lebensqualität ist schier unmessbar! Wirklich!

Okay, Scherz beiseite. Ist doof, dass das Eis in Plastik verpackt war, aber ich konnte nicht an mich halten und ich hatte keine Zeit, um auf selbstgemachtes Eis zu warten. (Wie gesagt: „mal eben“ existiert nicht mehr!) Ich gelobe Besserung und plädiere auf ein paar Eis-Rezepte für den Blog, damit man für den nächsten Eisnotfall gewappnet ist. Klingt das nach einem Deal? (Gibt’s Wünsche?)

Donnerstag

Nennt mich „Öko-Trulla“ oder was auch immer, aber heute bin ich wirklich in die Vollen gegangen! Das Brot für mein Stüllchen ist mir ausgegangen und ich bin nicht zum Bäcker gewackelt und auch nicht in den Supermarkt! Sondern in den Garten! Hab im Vorgarten unseres Hauses gestanden, Brennnesseln gepflückt und dann Brot damit gebacken. Fancy shit sag ich euch! Was die wagemutige Idee in mir aufkeimen lässt, das ich das mit dem Brotbacken mal öfter machen könnte, auch wenn man Brot an sich relativ gut plastikfrei kaufen kann…

Und weil da auch noch was auf mein grandioses Brot drauf musste, hab‘ ich auch noch schnell Seitanwurst selber gemacht. Ohne Alufolie. Ohne Backschlauch. Ohne keine-Ahnung-was-Leute-sonst-noch-benutzen. Nur ein altes Stück Baumwollstoff, das provisorisch in Quadrate gefetzt wurde. Seitan rein, aufwickeln und mit Gummibändchen verschließen und köcheln lassen. So easy! Yay für plastikfreie vegane Wurstbroterlebnisse! Dreimal dürft ihr raten wer noch so eins morgen in seiner feschen Edelstahllunchbox hat! 😉

Freitag

Jepp, ich hab‘ grad einen Lauf! Heute musste mal die „Müllkiste“ im Gefrierschrank entleert werden. In der Kiste ist nicht wirklich Müll, sondern Gemüseabfälle wie Schalen etc. Wenn die Kiste dann voll ist, wird allen in einen Topf geschmissen, mit Wasser aufgegossen und gekocht. Was man am Ende dabei herauskommt, ist ein astreiner Gemüsefont für Suppen und Saucen. Somit hat man sich schon wieder ein Glas oder Tetrapak gespart!

Und während in der Küche der Font blubberte, hab ich mal probiert mit den restlichen Limettenüberbleibseln von einem Küchenexperiment das Bad zu putzen! Ich glaube meine Armaturen haben noch nie so geblitzt und geblinkt. Großes Plus obendrauf ist der wahnsinnig schöne Geruch! Ich benutze öfter mal Putzmittelalternativen wie Essig, Natron und Zitrone, aber der Geruch von Limetten „schmeckt“ mir bisher echt am besten. Unverhoffte Begeisterung! (Im Übrigen: Ich hab‘ die ausgepressten und abgerieben Schalen benutzt. Also das, was wirklich im Müll gelandet wäre!)

Samstag

Samstag ist Einkaufstag! Die Besorgungen für die Woche werden gemacht und da wir letztes Wochenende auf dem Wochenmarkt und im Unverpacktladen schon mächtig vorgelegt hatten, fiel der Einkauf dieses Mal relativ klein aus. Unbeabsichtigterweise, weil etwas spät dran, haben wir dann auch noch festgestellt, dass kurz vor “Ladenschluss” das Obst und Gemüse nicht mehr ganz taufrisch ist, aber dafür schrecklich preiswert. Behaltet das mal im Hinterkopf, wenn ihr auch einen Besuch auf dem Wochenmarkt anpeilt. 😉

Es lief also alles blendet an der Plastikfront. Absolut großartig! Bis der Postbote kam und Päckchen brachte. Eins war gefüllt mit gebraucht gekauften Schuhen und etwas alter Zeitung zum Auspolstern. Im anderen Packet waren Packing Peanuts aus Styropor. Ich flipp‘ aus ey! Wer benutzt denn bitte immer noch diese schrecklichen Dinger!? Es gibt Mais Chips, Papierwürmchen und und und. Styropor ist wirklich nicht mehr State of the Art. Schreibt man Unternehmen an, die sowas noch machen? Versucht man die Styropordinger nochmal zu benutzen? Was ist hier das sinnigste Vorgehen, außer wutentbrannt den Karton zu schütteln in der Hoffnung, sie mögen sich in Luft auflösen?

Sonntag

Eine Woche ist rum. Zeit den Müll raus zu tragen! Und der fällt diese Woche tatsächlich beachtlich schmal aus. Sonst trage ich einen prall gefüllten Müllsack runter, der schon an der Grenze seiner Kapazitäten ist. Jetzt ist da nur ein bescheidenes Häufchen, das ich in eine große Dose quetschen könnte. Hauptverantwortliche für den Plastikmüll, sind Verpackungen von Tofu, Milch und Joghurt. Sachen, die ich mich bisher noch nicht getraut habe selber zu machen und bei denen ich auch – wenn ich ganz ehrlich bin – ein bisschen zu faul bin sie selber zu machen. Aber hey, auch kleine Erfolge wollen gefeiert werden! Wenn man das auf das ganze Jahr aufrechnet, wird dann doch ein ganzer Batzen Müll gespart.

Und diese Woche war auch eine gute Erinnerung daran, dass hier doch schon einige Plastiksparmaßnahmen vorhanden sind. Mehr als ich dachte sogar! Egal was hier gewaschen wird – ob Hände, Kleidung oder der Abwasch – es gibt nachhaltige, vegane Waschmittel. Für die Laborküche wird viel unverpacktes Obst und Gemüse gekauft. Und ich bin leidenschaftlicher Selbermacher und DIYer, das hilft enorm gerade was Verpackungsmüll und Single Use Products angeht.

Im Übrigen – und das ist keine Schleichwerbung! – habe ich die Woche auch nochmal in etwas Literatur investiert und die Bücher von Smarticular sind echt eine großartige Hilfe. Egal, ob es nun ums Selbermachen oder das Plastiksparen geht. 😉


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