Verkopft - Zero-Waste - Toastenstein

Zero-Waste – Vegan ist nur ein Anfang

Wir leben schon in einer schönen und vor allem für uns bequemen Welt. Und auch, wenn Veganismus im Kommen ist, ist dies nicht das einzige Thema, das die Menschheit in Angriff nehmen muss. Stichwort Zero-Waste. Ein kleiner Einstieg in ein weiteres Thema, das uns alle angeht, und dem wir eine Woche widmen.

Vor nicht allzu langer Zeit waren wir auf der Geburtstagsfeier eines guten Freundes eingeladen. Das Wetter war schön, es wurde gegrillt und wir mussten nichts zu essen mitbringen. Denn manche Salate waren vegan und für den Grill wurde frisches Gemüse angeboten, unter anderem auch Champignons, obwohl das Geburtstagskind Pilze hasst wie der Teufel das Weihwasser. An dieser Stelle will ich einmal danke an alle unsere Freunde sagen, die unsere Ernährungsweise nicht verteufeln, keine großen Debatten anzetteln und uns stets mitversorgen! Dass dies scheinbar keine Selbstverständlichkeit ist, lesen wir leider regelmäßig auf den einschlägigen Social-Media-Kanälen.

Von Hemdchentüten und verpackten Biogurken

Als wir jedenfalls am Tisch saßen und gegessen haben, entbrannte plötzlich eine Diskussion. Ein Bekannter ließ seiner Leidenschaft freien Lauf und echauffierte sich über die Plastiktütchen in der Gemüseabteilung im Supermarkt, die sogenannten „Hemdchentüten“. Mit voller Inbrunst regte sich der sanfte Riese über das Thema Plastik, Umverpackung und den daraus entstehenden Müll auf: „Das ist das größte Problem der Menschheit!“ Abgesehen davon, dass er wirklich einen guten Veganer abgeben würde, hat er natürlich voll und ganz Recht!

Dieser ganze sinnlose Müll in dieser Welt, gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft, ist einfach unerträglich geworden. Viele Dinge werden wieder und wieder verpackt. Und wenn selbst Bananen in diesen Hemdchentüten auf das Kassenband gelegt werden, kriegt man einfach nur das blanke Kotzen. Die Streetart-Künstlerin Barbara hatte dazu Folgendes zu sagen: „Bio-Gemüse in Plastikfolie ist wie ein PETA-Aktivist im Pelzmantel!“ Sie hat damit natürlich wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen.

Aber es ist natürlich nicht nur das Biogemüse. Mülltüte hier, Fast Fashion dort. Wir leben vielleicht sogar weniger in einer Wohlstands-, sondern vielmehr in einer Wegwerfgesellschaft. Unabhängig von den ganzen Müllbergen, die wir Tag ein, Tag aus produzieren und die es irgendwie in Zaum zu halten gilt, ist es vor allem Ressourcenverschwendung vor dem Herrn. Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, dass es früher so gut wie keinen Müll gegeben hat, sondern alles bis zum Gehtnichtmehr verwendet wurde, man eine überschaubare Anzahl an Geschirr und Gefäßen hatte und dementsprechend sorgsam damit umgegangen ist, man Klamotten geflickt statt weggeworfen hat – da stellt sich doch wirklich die Frage, was passiert ist.

Nicht unser Müll?

Natürlich ist dies alles ein grundsätzliches Problem des Kapitalismus. Der Wirtschaft ist es lieber, dass Sachen neu gekauft werden, man denke an die geplante Obsoleszenz. Meist kurz nach der Garantiezeit. Und das bringt Profit und nicht zuletzt auch Arbeitsplätze, das darf man dabei nicht völlig außer Acht lassen. Die Patentlösung für dieses gigantische und globale Problem voller Abhängigkeiten habe ich natürlich auch nicht. Aber letzten Endes ist auch das Schöne am Kapitalismus, dass der Kunde auf jeden Fall mit entscheiden kann. Denn man kann zumindest klein anfangen und seinen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich etwas ändert. Was nicht gekauft wird, verschwindet mit der Zeit.

Man könnte natürlich dagegen halten, dass z.B. der absolute Großteil der riesigen Müllstrudel in den Ozeanen der Welt nicht aus unserer Hemisphäre kommt, auch die USA zeichnen dafür nicht verantwortlich, sondern der südostasiatische Raum hat ein gravierendes Problem. Das ändert aber für mein Verständnis nichts daran, dass wir ebenso unseren Teil erfüllen sollten, die Umwelt zu schützen, die Ressourcen zu schonen und im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustüre anfangen zu kehren. Zumal in Südostasien viele unserer Produkte produziert werden und „wir“ somit mitverantwortlich dafür sind, auch wenn wir tausende Kilometer entfernt den Müll trennen.

Die Zero-Waste-Bewegung ist für unser Dafürhalten ein Schritt in die absolut richtige Richtung. Wenn ich lese, dass es manche Menschen in unseren Breitengeraden schaffen, den Jahresmüll an Plastik in ein Einweckglas zu stecken, erblasse ich vor Neid… und Ehrfurcht. Und ich ertappe mich dabei zu denken, dass ich das ja nie könnte. Komischerweise habe ich exakt das Gleiche vor zweieinhalb Jahren zum Thema Veganismus gesagt… Das Ende ist bekannt. Und es ist nicht nur eine der besten Entscheidungen meines Lebens gewesen, sondern war auch deutlich einfacher als gedacht.

Zero-Waste = Keine Verschwendung

Das Problem dabei ist, dass sich Veganismus eigentlich recht einfach umsetzen lässt, weil es genügend Alternativen gibt. Statt zur Fleischtheke geht man zur Gemüseabteilung. Anstatt zur Milchschokolade greift man zur zartbitteren Variante. Statt eines Ledergürtels trägt man einen aus Baumwolle. Der Markt gibt einem genügend Alternativen an die Hand. Bei Zero-Waste schaut es etwas anders, Unverpacktläden gibt es leider auch noch nicht überall und der Einzelhandel ist erst am Anfang, wenn es darum geht, unsägliche Plastikstrohhalme und Plastiktüten zu verbannen.

Das Thema Zero-Waste umfasst aber natürlich noch deutlich mehr. Im Normalfall kann man im Supermarkt ja nicht einmal eine Banane kaufen, ohne Müll zu produzieren. Man bekommt meistens einen Kassenbon. Und das ist nur eines von vielen kleinen Beispielen. Doch ich bin überzeugt davon, dass man sich an alles gewöhnen kann. Und auch, wenn ich es aktuell für utopisch halte, jeglichen Müll zu vermeiden, wollen auch wir hier damit beginnen, den nächsten Schritt zu gehen. Hin zu weniger Müll, hin zu weniger Verschwendung und mehr Nachhaltigkeit! Der Gedanke, so wenig wie möglich oder so gut wie gar nichts zu verschwenden, macht Lust auf mehr.

Der kleine, faule und bequeme Schweinehund in mir, der den Status quo mag und keine Lust hat, sich neu zu orientieren, springt zwar im Dreieck, hat hier nichts zu melden. Ja, wir tun schon ein bisschen was für eine bessere Welt. Wenn der absolute Großteil des weltweiten angebauten Sojas in der Futtermittelindustrie endet, dafür Regenwälder abgeholzt werden, während der Klimawandel voranschreitet und Millionen Menschen hungern, dann ist dies ein Punkt, den ich direkt nicht mehr unterstütze. Gut, dann könnte man sich zurücklehnen, in seinem guten Gewissen suhlen und die Seele baumeln lassen. Aber so leicht ist es leider nicht. Vegan zu sein, ist nur ein Anfang. Ein Anfang von vielen möglichen. Und es gibt noch so viel zu tun. Lasst es uns anpacken.

#plasticfreejuly, Themenwoche und Geburtstag

Aus diesem Grund wollen wir den #plasticfreejuly nutzen, um Euch unter anderem in Kooperation mit einigen wirklich unterstützenswerten Firmen ein paar Produkte zu präsentieren und Tipps zu geben, die den eigenen Müllberg auf jeden Fall etwas kleiner werden lassen können. Ich wette, an der einen oder anderen Stelle wird Euch nicht bewusst gewesen sein, dass es nachhaltigere Optionen gibt. So erging es uns zumindest, als uns aufgefallen ist, dass wir manche Sachen nur kaufen, um sie einmal zu verwenden und dann wegzuschmeißen. Muss das sein? Wir glauben nicht.

In diesem Sinne wünschen wir Euch viel Spaß und Inspiration bei unserer Themenwoche „Zero-Waste“. Und als zusätzliche kleine Ankündigung will ich schon einmal einen kleinen Ausblick geben, dass wir kommende Woche unseren ersten Geburtstag feiern und nicht wir die Beschenkten sein werden. 😉

Toastige Grüße aus Bielefeld,
Maddin & Eden


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