Nachgefragt beim Restlos e.V.

Nachgefragt bei Elif und Mustafa von Restlos e.V.

Diese Woche lassen wir Personen zu Wort kommen, die einen anderen Zugang zu den Themen Veganismus und/oder Nachhaltigkeit haben als “nur” das Essen. Sie haben tolle Projekte, Vereine oder Unternehmen ins Leben gerufen, um unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Wir haben diese Woche schon über vegane Bücher, den Mitbring-Brunch in Hamm, vegane Kunst und das Retten von Tieren gesprochen.

Zum Abschluss unserer Interview-Woche geht es jetzt zurück nach Hause: Hier in Bielefeld haben Elif und Mustafa den Restlos e.V. gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu machen. Ihr Rettermarkt erfreut sich nicht nicht nur bei uns großer Beliebtheit!

Toastenstein: Hallo Elif und Mustafa, stellt Euch doch bitte einmal kurz vor. Wo kommt Ihr her, was macht Ihr beruflich und was in Eurer Freizeit?

Hey, wir sind Elif (25) und Mustafa (30)!
Gemeinsam haben wir den Verein „Restlos“ gegründet und den ersten Rettermarkt in Bielefeld/Schildesche eröffnet. Wir sind gebürtige Bielefelder.
Wir haben Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Uni Bielefeld studiert. Beruflich (vor Restlos) haben wir Projekte zum Thema Nachhaltigkeit an Schulen und Kindergärten durchgeführt. In unserer Freizeit reisen wir gern, kochen und machen Sport. Seit der Eröffnung des Rettermarkts im Januar, sind wir hauptberuflich (ehrenamtlich) im Rettermarkt tätig. 🙂

“Genießbare Lebensmittel bekommen in unserem Rettermarkt eine zweite Chance”

Ihr habt den Restlos e.V. gegründet – was verbirgt sich genau dahinter?

Gemeinsam Lebensmittel retten, gegen Verschwendung sensibilisieren und soziale Projekte fördern!
Restlos möchte mit einem guten Beispiel vorangehen und allen Menschen die Möglichkeit geben, gemeinsam der Verschwendung entgegenzuwirken und gleichzeitig die Wertschätzung gegenüber noch genießbaren Lebensmittel zu stärken. Genießbare Lebensmittel bekommen in unserem Rettermarkt eine zweite Chance.
Neben dem Lebensmittelretten führen wir an Schulen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit durch.

Wie kommt man auf die Idee, einen Food-Outlet mit geretteten Lebensmitteln zu eröffnen?

Die Idee von Restlos ist schon vor zwei Jahren entstanden, kurz nach dem Studium. Während des Studiums haben wir bundesweit Verkostungen und Kochshows in Supermärkten durchgeführt. Dort ist uns aufgefallen, wie viel genießbare Lebensmittel in den Tonnen landen. Zugleich haben wir diesbezüglich Gespräche mit Kunden und Mitarbeitern der Supermärkte geführt und dabei festgestellt, dass viele Menschen noch sensibilisiert werden müssen und dass für das Problem eine Alternative geschaffen werden muss. Die Lösung sollte einfach, nachhaltig und für alle zugänglich sein.
So sind wir auf die Idee von Restlos gekommen und haben dann 2019, den gemeinnützigen Verein Restlos gegründet und Anfang 2020 den ersten Rettermarkt in Schildesche eröffnet.

“Bei uns lautet das Motto: Zahl, was es Dir wert ist”

Was bekommt man denn so bei Euch? Wir Veganer freuen uns natürlich am meisten über Obst und Gemüse. 😉

Alles, was das Retterherz begehrt! 🙂
Hier eine kleine Aufzählung von den Dingen, die Du bei uns so gut wie immer retten kannst:

  • Obst
  • Gemüse
  • Abgepacktes Brot
  • Brot vom Vortag
  • Molkereiprodukte
  • Getränke
  • Schokolade
  • Aufschnitt (auch vegan) 🙂
Der Rettermarkt von Restlos
© Restlos e.V.

Was müssen die Kunden für ihren ungewohnten Einkauf bezahlen? Im klassischen Supermarkt hat ja einfach alles sein fixes Preisschild, das ist bei Euch nicht der Fall.

Bei uns lautet das Motto „Zahl, was es Dir wert ist“. Hintergrund ist, dass Preise Zielgruppen einschränken. Dies soll bei uns nicht der Fall sein, wir möchten eine offene Tür für ALLE haben. Daher kann/darf jeder selbst bestimmten, was der Einkauf einem wert ist. Zum anderen sind wir der Meinung, dass jeder für sich den finanziellen Wert für gerettete Lebensmittel bestimmen sollte.
Selbstverständlich helfen wir auch gern und geben auf Wunsch unverbindliche Empfehlungen oder auch Orientierungen.

“Unser Ziel ist es nicht, nur eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, sondern die breite Masse”

Wie schaut Eure Kundschaft aus? Ist Euer Laden eher ein Anziehungspunkt für junge und hippe Ökos in Jesuslatschen oder ist es breiter gefächert?

🙂 🙂 🙂
Unsere Kundschaft ist breiter gefächert, als „nur“ die junge und hippe Ökö-Szene.
Von A-Z ist alles dabei!
Das ist auch gut so, denn unser Ziel ist es nicht, nur eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, sondern die breite Masse. Nur so kann sich etwas verändern, und dafür müssen wir ALLE mit auf die Reise nehmen!
Daher sind wir sehr froh darüber, dass unsere Kundschaft buntgemischt ist!

Wie wird der Retterladen von den Kunden angenommen? Wird vielleicht sogar gemäkelt, weil mal ein Apfel schon bräunliche Stellen hat? Habt Ihr Stammkunden, von denen Ihr wisst, dass sie primär bei Euch einkaufen und den Gang in den normalen Supermarkt nach Möglichkeit vermeiden?

Glücklicherweise wird kaum über den Zustand der Lebensmittel gemäkelt, eher freuen und wundern sich viele Kunden über den guten Zustand vieler Lebensmittel und möchten erfahren wieso diese in Supermärkten aussortiert werden.
Viele Kunden machen mittlerweile einen Abstecher bei uns, bevor sie dann die noch fehlenden Dinge in einem normalen Supermarkt besorgen.
Wir sagen immer: Ohne Rezept im Kopf zu uns und mit Rezept wieder raus! 🙂
Wenn man etwas flexibel ist, kann man sich oft den Gang zum Supermarkt sparen.

“Wir kochen so gut wie nur mit geretteten Lebensmitteln”

Ist der Retterladen schon das Ende der Fahnenstange, oder was habt Ihr noch für die Zukunft geplant?

Für die Zukunft ist noch einiges geplant!
Die ersten Nachhaltigkeitsprojekte laufen nun an, weitere sind schon in Planung. Ein kleiner Food Truck, in dem wir mit geretteten Lebensmitteln kochen werden wird bald dazu kommen. Und vielleicht landen ja auch irgendwann Produkte aus geretteten Lebensmitteln, mit längerer Haltbarkeit, wie Konfitüre, Chutney oder Limo in „normalen“ Supermärkten.
Wir möchten aber an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten! 🙂 Lasst euch überraschen!

Wenn man direkt an der Quelle sitzt, kocht man wahrscheinlich selbst auch meistens mit geretteten Lebensmitteln, oder?

Wir kochen so gut wie nur mit geretteten Lebensmitteln. Lediglich Dinge wie Reis, Nudeln oder Mehl werden woanders besorgt. Das macht Spaß und fördert die Kreativität! 🙂

“Wir möchten allen „Nichtveganern“ zeigen, wie köstlich und vielfältig veganes Essen sein kann”

Zur Eröffnung gab es veganes Essen: Seid Ihr selbst auch vegan unterwegs oder wie kam es dazu?

Wir sind (noch) nicht vegan unterwegs, möchten aber eine Option für alle sein, die es sind und auswärts essen möchten. Außerdem möchten wir allen „Nichtveganern“ zeigen, wie köstlich und vielfältig veganes Essen sein kann.
Wir sind vegetarisch unterwegs, daher hört es sich etwas witzig an, aber wir halten sehr viel von der veganen Küche! 🙂

Restlos
© Restlos e.V.

Zum Abschluss noch ein paar schnelle Fragen für echte Foodies!

Was ist Euer kulinarischer Albtraum?
Tiefkühl- und Fertiggerichte!

Drei Dinge, die in einer Küche nicht fehlen dürfen?
Smoothiemaker, Mörser, Gewürze

Wenn Eure Küche in Flammen steht, was rettet Ihr als erstes?
Lieblingskochlöffel

Euer persönlicher Geheimtipp oder Trick beim Kochen?
Eine große Portion Liebe darf niemals beim Kochen fehlen!
Für uns ist es der größte Trick und Geheimtipp beim Kochen.

Wenn das Leben Euch Zitronen gibt, macht Ihr was daraus?
Zitronenrisotto!
Und mit der anderen Hälfte die Küche reinigen 🙂

Herzlichen Dank! Auch dafür, dass wir jetzt auch in Bielefeld Lebensmittel retten können!

  • So erreicht Ihr den Rettermarkt vom Restlos e.V.:
  • Adresse:
    Restlos – Dein Rettermarkt
    Johannisstr. 33
    33611 Bielefeld
  • Tel.: 0176/23815569
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 09-15 Uhr
  • Website: www.restlos-ev.de
  • Instagram: @restlos_bi
  • Facebook: @restlos.bi
Gerettete Lebensmittel
© Restlos e.V.

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